Mein erstes Posting auf WT:Social

Saturday 02/11/2019 12:55:19 / Latest Version

Ich habe keine Ahnung, wie sich dieses neue Network hier, gegründet von Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales, in Zukunft entwickeln wird, noch fehlt mir bislang der Überblick darüber, was hier alles möglich ist, wie alles funktioniert, und wen ich hier hoffentlich noch treffen oder wiedertreffen werde.

Bislang (wenige Tage nach der Freischaltung des neuen Networks) weiß ich nur, dass WT:Social zunächst etwas anderes war, nämlich WikiTribune (daher das WT), eine Plattform für kollaborativen, investigativen Journalismus. Das Modell hatte jedoch zu wenig Erfolg, und so entschloss sich Wales, die Plattform stärker in Richtung Social Network (daher das Social) umzubauen. 

Und tatsächlich findet man hier erst mal die Grundausstattung, die man von einem Social Network erwartet - einen eigenen Stream, die Möglichkeit, anderen Usern zu folgen, diese User in eigenen Gruppen/Kreisen zu organisieren, sein eigenes Profil zu gestalten und Postings zu veröffentlichen. Alles völlig ohne Schnörkel - man fühlt sich optisch stark an das dezentrale Network Diaspora erinnert. Da sich WT:Social noch in der Entwicklungsphase befindet, ist es aber wahrscheinlich, dass am User Interface noch einiges angepasst und feingetunt werden wird.

Doch wer nun denkt, WT:Social sei der gefühlt 48ste Versuch, Facebook zu klonen, liegt falsch: Denn das neue Network hat seine WikiTribune-Wurzeln keineswegs abgelegt. Das beginnt schon damit, dass Postings wie dieses auch kollaborativ sein können, also für andere User mit bearbeitbar, so wie bei Wiki-Artikeln üblich. Ferner kann jeder User nicht nur Postings schreiben, also Inhalte, die im Stream und damit irgendwann in den Datentiefen der Vergangenheit landen, sondern auch eigene Wikis und einzelne Artikel. Wikis sind dabei grundsätzlich kollaborativ, können also von anderen Usern mit bearbeitet werden, und Artikel ebenso wie Postings wahlweise kollaborativ. 

WT:Social ist ein zentrales Network. Anders als im Fediverse sind Inhalte also für alle User zugänglich, so wie bei Twitter oder Facebook. Ebenfalls mit Twitter gemeinsam hat das neue Network, dass die Inhalte öffentlich sind und Postings, Artikel und Wikis explizite URLs haben und entsprechend verlinkbar sind. Allein schon deshalb ist das Network wohl kaum ein Konkurrent für Facebook, sondern eher ein Twitter für Leute, die gerne auch mal etwas anderes schreiben möchten als kurze Statements.

Ansonsten fällt beim Schreiben erst mal auf: Richtext ist von vorneherein möglich. Jedoch habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, innnerhalb eines Postings einen Rich-Snippet-Link einzufügen, etwa für Zeitschriftenartikel. Allerdings besteht die Möglichkeit, in einem alternativen Reiter beim Posting einen Link zu posten. Die Länge von Postings scheint keine engen Grenzen zu kennen, wie man an diesem hier sehen kann. Hashtag-Funktionalität kann ich beim Editieren keine erkennen. Zu weiterführenden Möglichkeiten, wie User-Blockierungen usw. ist mir bislang nichts bekannt. Neben normalen Usern gibt es auf jeden Fall noch Admins - Jimmy Wales sucht gerade welche [https://wt.social/post/5whm9qe5242299064483]. In diesem Augenblick zählt WT:Social insgesamt 18.818 User. Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie es weitergeht!

Comments

Stefan Münz
Tuesday 05/11/2019 10:46:27

Die Daumen finde ich auch nicht so wichtig. Aber die Möglichkeit, Beiträge zu markieren. Einfach als eigene Lesezeichen, mit der Möglichkeit, einen Stream solcher markierten Beiträge anzeigen zu können.
  Ansonsten gilt tatsächlich: Weniger kann mehr sein. So finde ich z.B. gut,  dass man Beiträge zwar in andere Social Networks teilen kann, aber nicht innerhalb von WT:Social "retweeten". Dadurch verzichtet das Network zwar auf die Viral-Kultur von Twitter, aber genau deshalb hebt es sich auch wiederum von solchen Netzwerken ab. Und die User werden gezwungen, einen Beitrag an seinem Originalort zu diskutieren (oder weiterzubearbeiten).

Rainer Schumacher
Tuesday 05/11/2019 10:35:31

Was wir nicht einführen sollten (im Gegensatz zu einem Vorredner), sind die einfältigen „Daumen hoch“ / „Daumen runter“ Funktionen von Facebook. Zustimmung/Ablehnung sollten immer textlich begründet werden und nicht einfach nur mit einem Klick ausgelöst werden.

Marcus Büttemeyer
Saturday 02/11/2019 21:55:05

OK, aber ich gebe den Entwicklern noch ein bisschen Zeit zum fixen der echten Bugs. Dann können wir über neue Features sprechen. Geburtswehen halt...

Stefan Münz
Saturday 02/11/2019 16:35:34

Ja, ist noch vieles hier wie in einem fast fertigen Haus. Noch nicht alles verputzt, es hängen noch ein paar Kabel aus der Wand, und zwei Fenster sind noch nicht eingebaut, oder so. Aber das ist normal und wird sicher alles noch werden. Was ich definitiv vermisse, sind Likes und vielleicht auch Dislikes, und was ich schön fände, wäre, wenn sich Kommentare datenmäßig konkret aufeinander beziehen, so dass sichtbar ist, wer mit welchem Kommentar auf was antwortet (macht Diskussionen besser nachvollziehbar).

M E
Saturday 02/11/2019 15:38:16

Es ist in jedem Fall eine sehr nette Bereicherung, die hoffentlich von vielen angenommen wird, die bisher mit den großen kommerziellen Systemen interagieren.
  Dem Projekt muss man Zeit lassen, um funktional zu wachsen. Dann bin ich mir sicher, dass es ein echter Anker werden wird.